Von zerbrochenen Senioren und saufenden Rentnern

Wir haben in unserer Gesellschaft ein schleichendes, kaum merkliches Problem mit unseren alten Menschen. Nicht dass es reicht unsere Alten in eine unsichere von Altersarmut geprägte Zukunft zu schicken, nein, sie saufen sich regelrecht den Kragen ab. Es ist kein individuelles Problem oder eine Auffälligkeit einer bestimmten Region, es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem wenn ältere Menschen trinken. Es ist schmerzhaft auf Entgiftungen Menschen mit Rollatoren und in Oldscholl Bademäntel anzutreffen. Einsam, verschüchtert und voller Scham. Eine noch unsichere Zukunft als die “Normalen”. Finanziell am Anschlag, gesundheitlich fragil und sozial vereinsamt. Nicht jedem ist es vergönnt mit 68 Tennis zu spielen oder in Sahara Quadtouren durch den Dünensand zu erleben. Viele sitzen in den Altenheimen, fangen dort erst richtig an mit trinken und segeln was ganz anderem entgegen als sie sich das ganze Leben vorgestellt haben. Sie segeln in den persönlichen Abgrund und wir folgen ihnen mit Pauken und Trompeten.

Shownotes

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (pdf)

Spiegel Online

 

Alkohol im Alter
  • Bis zu 400.000 ältere Menschen in Deutschland sind von einem Alkoholproblem betroffen
  • Allerdings wird Sucht im Alter kaum wahrgenommen
  • Die substanzbedingten Störungen können bei älteren Menschen lange im Verborgenen bestehen und werden vom Umfeld häufig stillschweigend hingenommen
  • Die Bereitschaft, Einrichtungen der Suchthilfe in Anspruch zu nehmen, ist im Alter gering, denn das Eingeständnis, ein Alkoholproblem zu haben, wird als beschämend erlebt
  • Ältere Menschen wurden lange Zeit von fast allen psychotherapeutischen Schulrichtungen als nicht therapiefähig angesehen
    Wissenschaft und Forschung haben inzwischen aber belegt, dass die psychotherapeutische Behandlung älterer Menschen sinnvoll und genau so erfolgreich ist wie die jüngerer Menschen
Gesundheitliche Aspekte von Alkoholkonsum im Alter
  • alkoholische Getränke gehören zum Alltag
  • seit mehr als 40 Jahren vertraut
  • Mit steigendem Alter sinkt der Wasseranteil im Körper. Die gleiche Menge getrunkenen Alkohols verteilt sich bei älteren Menschen deshalb auf weniger Körperflüssigkeit und führt zu einem höheren Alkoholpegel
  • ältere Menschen weisen selbst bei sinkenden Trinkmengen eine erhöhte Schädigung des zentralen Nervensystems auf
  • zwischen den Wirkstoffen vieler Medikamente und Alkohol kann es zu gesundheitsschädigenden und sogar gefährlichen Wechselwirkungen kommen
    • Schlaf- und Beruhigungsmitteln oder Antidepressiva
  • körperliche Beschwerden zu lindern oder negative Gefühle wie Trauer, Einsamkeit, Langeweile, Angst etc. besser ertragen zu können
  • Heute schätzt man, dass bei 2-3% der Männer und 0,5- 1% der Frauen über 65 Jahre eine Alkoholabhängigkeit bzw. ein Alkoholmissbrauch vorliegt (DHS 2006 a)
  • 15,4% der Menschen ab 60 Jahre konsumieren Alkohol in riskanter Weise
Soziale Aspekte von Alkoholkonsum im Alter
  • Meist werden für den späten Beginn einer Alkoholstörung kritische Lebensereignisse, die typischerweise mit dem höheren Lebensalter einhergehen, verantwortlich gemacht
  • Verlust der Lebenspartner/-innen und der Übergang aus dem Berufsleben in die Berentung und damit verbundene Vereinsamung oder finanzielle Einbußen
  • Reduzierte soziale Kontakte begünstigen die Ausprägung einer Abhängigkeit
  • In Alten- und Pflegeheimen ist der Anteil Alkoholkranker im Durchschnitt höher als bei älteren Menschen in Privathaushalten
  • Aufgrund der demographischen Entwicklung wird Sucht im Alter jedoch an Bedeutung zunehmen
  • Ergotherapie, Seniorensport, Gedächtnistraining, Freizeitgestaltung

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