Wieso wir uns Ehrlichkeit nicht leisten können

Wieso wir uns Ehrlichkeit nicht leisten können

Wir schmücken uns sehr gerne mit unserer übertroffenen Ehrlichkeit. Wir fordern Selbige von unseren Gegenüber immer wieder ein und setzen sie schlussendlich überall und jederzeit bei allem voraus (ausser bei schlechten Nachrichten). Was aber Ehrlichkeit ist, was es ganz individuell bedeutet, das weiß interessanterweise kaum jemand. Wo fängt denn die Ehrlichkeit an und wie fühlt sich das dann an? Was passiert aus einer Unehrlichkeit heraus? Basiert etwas auf Unehrlichkeit, kann es überhaupt Bestand haben? Was bedeutet es gerade zu sein, gerade zu leben? Innerlich gerade sein ist leider eine Seltenheit.

Sie sind bei mir falsch

Sie sind bei mir falsch

Immer wieder begegnet mir der Satz, man sei falsch bei dem oder jenem. Es ist ein Satz der mehr Bedeutung und Tiefe hat als man im ersten Moment glauben mag. Mir begegnet dieser Satz schon lange, neuerdings jedoch gehäuft. Ob es nun die möglichen Klienten bei Entwicklungsbüro sind oder potentielle Auftraggeber für Media Sozial, ja es ist sogar so, dass selbst im Freizeitbereich die Leute oft bei mir falsch sind. Sie wollen Capoeira lernen, wollen Saltos lernen oder gekonnte Luftsprünge mit Kick. So viele sind einfach falsch bei mir. Macht mich das einsam? Wer kommt denn nun zu mir und wer ist wohl richtig? Diese Aussage, sie sind bei mir falsch, kam von meiner Lieblingsmetzgersfrau zu einer verwirrten Kundin. Wir sind so oft aus den richtigen Gründen bei der falschen Hilfe, manchmal auch aus den falschen Gründen bei der richtigen Hilfe. DIe Passgenauigkeit ist fast immer ausschlaggebend.

Die Halb-Zeiten sind angebrochen

Die Halb-Zeiten sind angebrochen

Wir leben in scheinbar halben Zeiten. Die Nachrichten sind voll von Halbwahrheiten, wir Menschen kommunizieren sehr auffallend häufig mittels Halbwissen und schlussendlich basieren unsere Überzeugungen und individuellen Weltsichten auf einem wackeligen Gebäude.

“…ich hab von einer Studie gehört.. oder Ein Professor aus Palo Alto sagte…”

Wir reflektieren unsere Informationen immer weniger und blasen unsere Alltagskommunikation unwahrscheinlich auf.

Ebenso gibt es die Halbexperten, wie ich sie gerne nenne. Die “In einem Wochenende ein Coachingbusiness” Leute, die den Markt überschwemmen. Es ist nicht überprüfbar ob das Bildungsinstitut Sonnenschein an der Mühlbrücke was seriöses ist oder doch lieber der Indigene-holistic Coach eher was für einen wäre. Mir scheint, die aufstrebenden Lifestylecoaches sind sehr diffus. Wie das aber nun mit dem Stillen eines Babys oder dem Smartphone von Kindern zusammenhängt erfahrt ihr nur beim zuhören.

Komm mir nicht mit deinen Ritualen

Komm mir nicht mit deinen Ritualen

So oder ähnliche Sätze höre ich als Coach immer wieder. Rituale scheinen einen eigentümlichen Nebengeschmack zu haben. Schwarzmagisches Zeug mit Masken und nackt oder so, denkt der Ein oder Andere wohl bei dem Begriff Ritual. Rituale sind der Kit einer Kultur, die Verbindung innerhalb einer Kultur. Leider ist dieser Kit am bröckeln. Rituale wurden durch Routinen ersetzt (naja hört sich ja ähnlich an) und Rituale, besonders heilende oder helfende Rituale, in den Pseudoesobereich verbannt. Morgenseiten, wie sie Christian Müller sehr ästhetisch über seinen Instagram Acocount publiziert oder Motivational Videos, als Start in den Tag. Mit Kaffee und 10 Minuten Zeit für sich lebt es sich doch besser, für Jeden!

Ich wär so gerne ein Preneur

Ich wär so gerne ein Preneur

Die letzten Jahre wächst eine neue Spezies in unserer Gesellschaft heran. Entrepreneure, Solopreneure, Sidepreneure, Mamapreneure, Papapreneure, Travelpreneure und was auch immer es noch für Preneure gibt, nennt sich das neue Phänomen der Selbständigkeit. Selbständige Arbeit scheint langsam en vouge zu werden. Scheiß auf Dienstwagen, Rentensicherheit, und Beamtung. Die neuen “Formate” stehen für Freiheit und Passion in der Arbeitswelt. Am Strand den nächsten E-Kurs erstellt oder im Basislager des Mount Everest noch die nächste Podcast Episode mobil produziert. Alles scheint möglich, alles ist möglich. Aber es gibt einen Haken. Viele wollen ihr Hobby zum Beruf machen und bedenken dabei nicht, dass sie dann kein Hobby mehr haben. Manchmal sollte Hobby, Hobby bleiben und Arbeit einfach Arbeit.

Aber wo bliebe dann der Spaß an der ganzen Sache? Wo wäre die eigene Kreativität, wenn sie nicht an solchen Stellen ausgelebt werden könnte? Arbeit kreativ zu sehen, das ist das wirklich Neue.

Im Gespräch mit dem Abstinenzcoach Frank Joseph

Im Gespräch mit dem Abstinenzcoach Frank Joseph

Nach all den Suchtthemen in letzter Zeit, freut es mich ausserordentlich nun ein angrenzendes Thema mit einem befreundeten Experten anzusprechen: Abstinenz. Experte auf diesem Gebiet ist Frank Joseph, Abstinenzcoach aus Ravensburg, und zu Gast in der heutigen Episode. Ich spreche mit Frank über seinen Weg zum eigenen Business, über Hindernisse, Straucheln und neue Hoffnungen und Wege. Er hat in den letzten Jahren an einem eigenen Konzept zur Abstinenzsicherung gearbeitet und entwickelt es kontinuierlich weiter.

Braucht es bei so einem hochprofessionalisierten Suchthilfesystem so ein Angebot überhaupt? Wer ist die Zielgruppe und was hat man von Franks Angeboten?

Eine äussers spannende Sendung über einen äusserst spannenden Menschen.

 

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Sagen Sie wenn der Preis zu hoch ist

Sagen Sie wenn der Preis zu hoch ist

Wir laufen tagtäglich wie der Esel hinter der Glücksmöhre her. Wir wollen glücklich sein, zufrieden oder einfach mal Ruhe haben. Wir wollen uns gut fühlen, das ist ein Grundgefühl eines Jeden. Um uns gut zu fühlen, bedienen wir uns verschiedener Strategien. Oftmals bedienen wir uns dem Grundsatz, dass wenn wir etwas kaufen wollen, brauchen wir Geld. Um Geld zu haben brauchen wir Arbeit. Die Arbeit hat aber nichts mit dem eigentlichen Motiv zu tun.

Wir investieren jedoch immer wieder Zeit. Jeden Tag investieren wir X Stunden um im Urlaub entspannen zu können, die vier Wände in denen wir leben unser Eigen zu nennen. Wir investieren viel Zeit in das Anbahnen von Beziehungen um festzustellen dass sich die Investitionen an Eros und Intensivität falsch sind. Wir suchen uns neue Jobs, bessere, mehr Kompetenzen voraussetzend und bedenken nicht den Preis. Wir sehen oft nur das Geld, das flüchtige Glück.

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Digitale Coachingkonzepte – Ein Seminarrückblick

Digitale Coachingkonzepte – Ein Seminarrückblick

Ich möchte heute einen kleinen Rückblick auf das Seminar letztes Wochenende wagen. Digitale Coachingkonzepte als 24 Std. Seminar an drei Tagen für Studierende im ersten Semester der Sozialen Arbeit. Man könnte meinen, dass das Seminar ein bisschen zu früh angesiedelt ist oder die zu vermittelnden Inhalte noch nicht in ihrer Gänze überrissen werden können. Ja, das kann sein. Mein Erleben ist allerdings ein ganz anderes.

Ich habe das Seminar über die letzten 4 Jahre permanent weiterentwickelt. Von “E-Coaching, Mobile Coaching & Blended Coaching” hin zu dem was es heute ist. Es ist ein Einblick in meinen Alltag, in meine Art sozialarbeiterisch zu arbeiten, ja irgendwie in mein Mindset. Für Erstsemester ist es glaub eh schwer meinem Redefluss  zu folgen hab ich schon oft gedacht und bin immer wieder beruhigt nach Hause gefahren und wurde eines Besseren belehrt. Es wächst eine neue, mutigere und kritischere Generation Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter heran. Geil!

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Ein Leben auf dem Prüfstand

Ein Leben auf dem Prüfstand

Wir leben ein Leben voller Prüfungen. Manche sagen jetzt vielleicht Gott stelle uns vor Prüfungen oder Andere meinen wir sollen aus allem etwas lernen. Die Antworten auf den Sinn der ganzen Prüfungen erschließt sich nicht wirklich. Wir fangen schon vor der Geburt an das Ungeborene in eine Schublade zu pressen. Immer mit der Frage ist es denn gesund, ist es “normal”? Wir werden bis zu unserem Tod an diesem seltsamen Gebilde des Normalen gemessen. Prüfung über Prüfung und Ergebnis über Ergebnis erhalten wir mehr Daten, die keiner zusammenfügt. Wir stehen nur da und wissen, wir sind nicht normal oder eben wir sind sogar zu normal. Alles scheint ein Problem.

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Von zerbrochenen Senioren und saufenden Rentnern

Von zerbrochenen Senioren und saufenden Rentnern

Wir haben in unserer Gesellschaft ein schleichendes, kaum merkliches Problem mit unseren alten Menschen. Nicht dass es reicht unsere Alten in eine unsichere von Altersarmut geprägte Zukunft zu schicken, nein, sie saufen sich regelrecht den Kragen ab. Es ist kein individuelles Problem oder eine Auffälligkeit einer bestimmten Region, es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem wenn ältere Menschen trinken. Es ist schmerzhaft auf Entgiftungen Menschen mit Rollatoren und in Oldscholl Bademäntel anzutreffen. Einsam, verschüchtert und voller Scham. Eine noch unsichere Zukunft als die “Normalen”. Finanziell am Anschlag, gesundheitlich fragil und sozial vereinsamt. Nicht jedem ist es vergönnt mit 68 Tennis zu spielen oder in Sahara Quadtouren durch den Dünensand zu erleben. Viele sitzen in den Altenheimen, fangen dort erst richtig an mit trinken und segeln was ganz anderem entgegen als sie sich das ganze Leben vorgestellt haben. Sie segeln in den persönlichen Abgrund und wir folgen ihnen mit Pauken und Trompeten.

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